Berichtsteil  >  Lagebericht der Konzernleitung

Logistik und Beschaffung

Logistik als Kernkompetenz etabliert

Nach dem radikalen Umbau der Konzernlogistik bis Ende 2010 ( Deutschen Logistik-Preis 2011) geniesst dieser Bereich höchste Priorität und wird als Kern­kompetenz betrachtet. Die integrierte Logistik entlang der gesamten Wert­schöpfungs­kette bringt grössere Kundennähe und ist deshalb ein wichtiges Bindeglied zu den Kunden. Die für 2012 geplante Zertifizierung der für die Logistik der Gruppe verantwortlichen Geberit Logistik GmbH nach ISO 9001 und ISO 14001 konnte im Dezember erfolgreich abgeschlossen werden.

Das zentrale Transportmanagement als Schnittstelle zwischen Werken, Märkten und Spediteuren koordiniert die betreffenden Aktivitäten. Die zentrale Steuerung der Spediteure ermöglicht intelligente Transportlösungen. So werden beispielsweise die Transporte zwischen den Werken mit jenen der Kunden­be­lieferung verknüpft. Dies reduziert die Leerkilometer und steigert die Auslastung der LKW. Heute arbeitet Geberit im europäischen Landverkehr mit sechs Hauptspediteuren zusammen, während es früher mehr als 70 waren. Diese Dienstleister verpflichten sich zu einer nachhaltigen Unternehmens­politik, die zum Beispiel durch Fahrerschulungen für umweltschonendes Fahren zum Ausdruck kommt. Zudem haben diese Hauptspediteure regelmässig über ihre Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme – unter anderem über die Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen – an Geberit zu berichten. Der Geberit Logistik­rechner erfasst die Zusammensetzung des Fahrzeugparks sowie die Transport­leistung und die Umweltbelastung der Transport­dienstleister und erstellt eine Umwelt­bilanz. Im Berichtsjahr wurden mit den 12 grössten Transport­dienstleistern 169,7 Mio. Tonnen­kilometer umgesetzt (Vorjahr 168,1 Mio. Tonnenkilometer), woraus 26 883 Tonnen CO2-Emissionen (Vorjahr 25 501 Tonnen) resultierten. Der Anteil an Euro5-Fahrzeugen betrug dabei 84% (Vorjahr 85%).

Ein wichtiges Ziel im Berichtszeitraum war der Ausbau des  Megatrailerverkehrs. Mit diesen Fahrzeugen kann mehr Ladevolumen transportiert werden. Durch den Einsatz von Megatrailern zwischen den Standorten Rapperswil-Jona (CH) und Pfullendorf (DE) sowie Pottenbrunn (AT) und Pfullendorf wurden 2012 gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen 414 Transporte eingespart. Dies entspricht einer Reduktion von 126 000 Kilometern. Der Dieselverbrauch konnte zudem um 37 500 Liter reduziert und der CO2-Ausstoss um 155 Tonnen gesenkt werden.

2013 soll im Rahmen eines Pilotbetriebs ein umweltfreundlicher, gasbetriebener LKW zwischen Pfullendorf und Rapperswil-Jona zum Einsatz kommen. Dieses Pionierprojekt wird in Zusammen­arbeit mit einem Spediteur und einem LKW-Hersteller durchgeführt.

Lieferanten-Management weiter optimiert

Geschäftspartner und Lieferanten von Geberit sind zur Einhaltung umfassender Standards verpflichtet. Das bezieht sich nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf sozial­verträgliche und gesundheitskonforme Arbeitsbedingungen sowie den Umweltschutz und faires Geschäftsgebaren. Ein Qualitätsaudit ist zwingende Voraussetzung bei der Auswahl eines Lieferanten. Zeigen sich bei einem solchen Audit Ungereimtheiten im Bereich Nachhaltigkeit, wird zusätzlich ein vertieftes EHS-Audit (Umwelt, Gesundheit, Sicherheit) durchgeführt. Grundlage für das EHS-Audit ist der  Verhaltenskodex für Lieferanten. Der bereits seit 2007 existierende Kodex orientiert sich an den Prinzipien des United Nations Global Compact und ist für jeden neuen Lieferanten bindend. Bis Ende 2012 haben 671 Lieferanten (Vorjahr 603) diesen Kodex unterschrieben. Dies entspricht 95% des gesamten Einkaufswerts (Vorjahr 93%). Bei den Top-200-Lieferanten liegt der Anteil der Unterzeichner bei 99% (Vorjahr 99%).

In der Beurteilung der Lieferanten wird grösstmögliche Trans­parenz angestrebt. Alle neuen und bestehenden Lieferanten werden daher in standardisierten Prozessen nach den gleichen Kriterien bewertet: Unternehmen und Finanzen, Qualität und EHS, Preis und Kosten, Beschaffungskette und Lieferung, Produktion und Technologie. Die flächendeckende Implemen­tierung dieses einheitlichen Lieferanten-Managements konnte bereits Ende 2011 erfolgreich abgeschlossen werden. Seit 2012 wird nun der Datenaustausch schrittweise digitalisiert mit dem Ziel, den Papierverbrauch zu senken.

Im Interesse einer systematischen Planung und Durchführung von Audits, die in der Regel alle drei Jahre erfolgen, wurde 2012 das bestehende Risikomanagement weiterentwickelt. Es beruht auf der Einteilung der Lieferanten in Risikoklassen – je nach Produktionsstandort (Land) und Produktionsprozessen. Um die Anzahl Prüfungen zu erhöhen, wurde erstmals mit externen Partnern kooperiert: In China übernahm in drei Fällen eine externe Beratungsfirma die erforderlichen EHS-Audits. Ihre Durchführung ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Glaubwürdigkeit im Lieferantenmanagement. Um diesen Aspekt noch stärker zu verankern, wurde er neu in die Jahresziele der verantwortlichen Einkäufer integriert. Fördern Audits Missstände zutage, hat dies Sanktionen zur Folge. In der Regel wird dann eine Frist für die Mängelbehebung gesetzt. Zudem werden Folge-Audits durch­geführt. So hatte zum Beispiel ein chinesischer Zuliefer­betrieb während mehrerer Monate weder Löhne noch Sozial­leistungen entrichtet. Geberit setzte dem Unternehmen ein Ultimatum von zwei Monaten, um den Missstand zu beseitigen, worauf die Auflagen fristgerecht erfüllt wurden.